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Kosten eines geschlossenen Fonds

In den letzten Jahren wurden Milliarden von privaten Anlegern in geschlossene Fonds investiert. Heute drohen Milliarden Verluste. Wie kann es nur immer wieder dazu kommen?

Schaut man sich die Emissionsprospekte bereits bestehender Beteiligungen oder aber auch von Neuemissionen an, kann man schon staunen. Geworben wird oft mit Renditen über 10%. Es ist nur natürlich, dass sich Anleger überlegen in ein so lukratives Investment einzusteigen. Was viele Emissionsprospekte nicht so deutlich aufzeigen ist die Gier der Initiatoren und des Vertriebs. Diese Provisionen werden meist erwähnt, jedoch wird dem Anleger nicht ausdrücklich gesagt, dass von den 10.000 investierten Euro bis zu 2500 Euro an Provisionen gezahlt werden. Im Ergebnis investiert der Anleger somit nämlich nur 7500 Euro in die Beteiligung.

Angesichts der wirtschaftlichen Konzeption eines geschlossenen Fonds ist es auch kein Wunder, dass es in den letzten Jahren immer wieder zu massiven „Fehlallokationen“ gekommen ist, wie die Volkswirte die Vernichtung von Geld nennen. Angesichts eines Streifzuges durch die Welt der geschlossenen Fonds wird dies jedoch deutlich.
Verträge zu dem Beitritt in eine Fondsbeteiligung sind oft sehr schnell unterzeichnet, die Frage ist aber, was geschieht, wenn der Anleger wider erwartend sein eingebrachtes Kapital benötigt, oder was passiert, wenn der geschlossene Fonds aus dem Ruder läuft. Diese Szenarien sind in der Vergangenheit in regelmäßiger Häufigkeit vorgekommen und es wird sie auch in Zukunft immer wieder geben.

Eine Studie der Emissionsprospekte verdeutlicht das Problem der geschlossenen Fonds. Neben einer Darstellung des Investitionsobjekts sind dort auch die Kosten aufgeführt. Danach liegen die Kosten des Investitionsobjekts immer unter den Kosten, die der Fonds verursacht. Es ist zu konstatieren, dass in einigen Beteiligungen nur rund 40% des Anlegerkapitals in das Investitionsobjekt flossen. Auch wenn dies nicht die Regel ist, so liegt der Durchschnitt hier doch bei 12,8%, zusätzlich zu den Provisionen, die Durchaus neben dem Ausgabeaufschlag schnell mal 20% und mehr erreichen. Wie man es auch dreht und wendet, der Anleger eines geschlossenen Fonds kann im Durchschnitt häufig 25% und mehr seines investierten Kapitals abschreiben.

Ein großes Risiko stellt dann noch der oftmals erhebliche Fremdkapitalanteil eines geschlossenen Fonds dar. Auch Banken beteiligen sich an geschlossenen Fonds. Aber nicht als Gesellschafter, sondern als Kreditgeber. Der Kredit ist natürlich immer abgesichert im Grundbuch oder Schiffsregister oder auch vertraglich. Ein Kredit muss, wie man weiß, vorrangig bedient werden. Die Anleger als Gesellschafter schauen hier oft in die Röhre, da sie als Gesellschafter nachrangig zu den Kreditgebern und sonstigen Verwaltungskosten bedient werden. Bei nicht wirtschaftlichen Verlauf eines geschlossenen Fonds bleibt daher oft kein Geld übrig um die Anleger zu bedienen, was zu einem ausbleiben der Ausschüttungen führt. Kann der Kredit der Bank nicht mehr bedient werden, so ist auch eine Insolvenz schnell mal zu verzeichnen, was oftmals mit einem Totalverlust des Kapitals der Anleger verbunden ist.

Ein Thema für sich ist daher die Finanzierung eines geschlossenen Fonds. Es gibt kaum Beteiligungen mit Barzahlung. Die Initiatoren nehmen oft Kredite in Höhe von 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten auf, so dass die Anleger überhaupt keine Wahl haben. Die Verzinsung des Kredits scheint in vielen Fällen marktüblich zu sein, doch wenn die Beschaffungskosten in den Effektivzins eingerechnet werden, kommen Ergebnisse heraus, die alles andere als marktüblich sind. Dies soll das nachfolgende Beispiel verdeutlichen:
Der Initiator nimmt 66 Millionen Euro Kredit auf. Der Zins von 3,1 Prozent gilt zehn Jahre. Hinzu kommt eine kleine Vermittlungsgebühr von 2,5 Prozent oder 1.650.000 Euro. Das treibt den Effektivzins auf 3,5 Prozent pro Jahr. Im Augenblick kosten normale Hypotheken keine 2 Prozent. Anleger würden nach der obigen Berechnung somit alleine für den Kredit zwischen 8 und 9 Millionen Euro zu viel bezahlen.

Ein gefährlicher Trugschluss ist auch in der Berechnung der Rendite zu sehen. Die Emissionsprospekte weisen oft Gesamtergebnisse von 180% bis 217% aus. Solche Summen sind jedoch nicht durch die Laufzeit zu teilen. In den genannten Prozentzahlen ist auch die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals erhalten. Im Durchschnitt liegen die Renditen je nach Laufzeit bei ca. 5,9% und dies nur dann, wenn die Beteiligung auch prognosegemäß verläuft, was in den letzten Jahren nach einer Untersuchung von Stiftung Warentest jedoch nur bei rund 6% aller geschlossenen Beteiligungen der Fall war.
Auch wenn geschlossene Fonds keine Teufelswerkzeuge sind, sollte ein Anleger immer auf die mit dem Fonds in Verbindung stehenden Kosten achten.

Sie haben einen geschlossenen Fonds und können die Werthaltigkeit und die Kosten nicht einschätzen? Gerne helfen wir Ihnen ein klares Bild über ihren geschlossenen Fonds zu bekommen.