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Auszug aus der Forensischen Prospektanalyse SolEs 22 GmbH & Co. KG

Auf Seite 10 des Verkaufsprospekts zum „SolEs 22“ wird wie folgt informiert:
…Am 30. April 2009 wurde das zusätzliche Königliche Dekret 6/2009 erlassen, das ein System der Vorregistrierung für die Vergütung vorsieht. Demnach musste im Juni 2009 der Antrag auf Eintragung in ein Register für die Vorregistrierung gestellt werden. Alle Kraftwerke, die in die Liste aufgenommen wurden, erhalten grundsätzlich die festgelegte Einspeisevergütung, wenn sie innerhalb einer festgelegten Inbetriebnahmefrist ans Netz gehen und anschließend endgültig in das Register eingetragen werden. Für Andasol 3 wurden von der Kraftwerks-gesellschaft Marquesado Solar S.L. rechtzeitig alle notwendigen Unterlagen für die Vorregistrierung nach dem Königlichen Dekret 6/2009 bei der zuständigen Behörde eingereicht und Sicherheitsleistungen gestellt. Die Vorregistrierung des Kraftwerks ist bereits erfolgt.
Aus den Angaben des Prospektherausgebers zum „SolEs 22“ geht zweifelsfrei hervor, dass die essentielle Notwendigkeit der Vorregistrierung nicht erfolgt war. Weiterhin widerspricht der kalkulierte Gesamterlös p.a. nach der Formel 25.000 kWp x 1.460kWh/kWp  x 0,4487 EUR/kWh = 16.377.550 EUR eklatant den vom Prospekt-herausgeber genannten Vergütungssatz: „Freilandanlagen bis 10 MW erhalten eine Vergütung von EUR 0,32“…

…Auf Seite 51 wird für Solaranlagen in Italien ein maximaler Vergütungssatz von EUR 0,3528/kWh genannt. Auf Seite 53 wird für die Vergütung von Freilandanlagen in Frankreich eine Einspeisevergütung von reicht EUR 0,32823/kWh an der Cote d´Azur bis
zu EUR 0,393876/kWh nördlich von Paris genannt. Auch diese Vergütungssätze liegen weit unterhalb der Prospektannahme zur Wirtschaftlichkeitsprognose.
Damit ist zweifelsfrei bewiesen, dass die gesamte Prognoserechnung zum „SolEs 22“ auf falschen Tatsachenbehauptungen basierte. Die kalkulierte Einspeisevergütung liegt ohne objektive Begründung 40,2% über dem vom Prospektherausgeber selbst genannten Vergütungssatz…

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Ersteinsicht Verkaufsprospekt MS “Vogerunner“ GmbH & Co. KG

Ersteinsicht Verkaufsprospekt MS “Vogerunner“ GmbH & Co. KG

Der Verkaufsprospekt wurde am 8. Mai 2008 herausgegeben. Die Gesellschaft sollte das Schiff gemäß Verkaufsprospekt planmäßig am 30. November 2008 übernehmen. Mit dem Schiff handelt es sich um einen Capesizebulker-Neubau. Zum Verkaufsprospekt erschienen am 4. Juli, 29. Juli und 7. November 2008 Prospektnachträge. Die Nachträge beinhalten keinerlei substantielle Informationen zur Marktentwicklung und daraus folgenden veränderten Marktgegebenheiten.
Zum Marktumfeld informiert der Verkaufsprospekt ab Seite 32 wie folgt (Auszüge):
„Nach 4,8 % und 5,4 % Wachstum in den Jahren 2005 und 2006 erwartet der IWF in seiner aktuellen Prognose ein weltweites Wirtschaftswachstum von 5,2 % und 4,8 % in den Jahren 2007 und 2008. Entsprechend sieht die OECD auch die Aussichten für den Welthandel. Nach einem Wachstum des Welthandels in den Jahren 2005 und 2006 von 7,6 % bzw. 9,4 % gegenüber dem Vorjahr wird für das Jahr 2007 mit 7,0 % gerechnet. Das Wachstum für die Jahre 2008 und 2009 soll laut Prognose jeweils 8,1% betragen. Insgesamt kann heute von einer weiteren Steigerung des weltweiten Transportbedarfs
auf Seeschiffen ausgegangen werden.“
Diese Aussage ist ebenso wie die nachfolgende falsch. Im Verlaufe des zweiten Halbjahrs 2008 steuerte die Massengutschifffahrt in die schwerste Krise seit dem Jahr 1986.
„Die für die nächsten dreieinhalb Jahre zu erwartenden Ablieferungen liegen sowohl nach Anzahl als auch nach Tragfähigkeit oberhalb der mehr als 20 Jahre alten Tonnage. Dies ist mit der in den letzten
Jahren überdurchschnittlichen Nachfragesteigerung bei den Eisenerz- und Steinkohleverschiffungen (9,0 % p. a. in den letzten 5 Jahren) sowie der teilweise außergewöhnlich guten Ertragslage zu erklären
und zeigt das Vertrauen der Reeder in die langfristigen Wachstums-chancen des Marktes.“
„Der Durchschnitt für Halbjahreschartern seit 2002 liegt bei ca. 58.950 USD pro Einsatztag und der für 1-Jahreschartern seit 2002 bei 53.460 USD / Tag. Die 3-Jahrescharter lag seit 2002 bei durchschnittlich
39.810 USD / Tag, brutto. Das aktuelle Niveau für Dreijahreschartern liegt bei brutto 93.750 USD /Tag. Für einjährige Charterperioden werden zur Zeit ca. brutto 114.375 USD / Tag gezahlt und bei
sechsmonatigen Charterlaufzeiten beträgt die Tagescharter brutto 124.500 USD.“
„Die Vogerunner wird nach Ablieferung eine fünfjährige Zeitcharter bei Transfield antreten. Die vereinbarte Charterrate beträgt brutto 39.450 USD pro Einsatztag. Der Charterer hält drei einjährige Verlängerungs-optionen zu 31.250 USD / 31.000 USD / 30.750 USD pro Einsatztag. Anschließend wird mit 30.750 USD pro Einsatztag weiter kalkuliert. Dies sollte im Hinblick auf den mehrjährigen Durchschnitt von Dreijahres-chartern in Höhe von 39.810 USD pro Einsatztag eine erzielbare Größe darstellen.“
Im November 2008 lagen die Charterraten signifikant unter dem hier aufgeführten Niveau.
Die zitierten Prospektaussagen sind sachlich durchweg falsch und, da keinerlei Korrekturen in den Nachträgen erfolgten, grob irreführend. Die Prospektinformationen (die Nachträge können vernachlässigt werden) waren vollkommen ungeeignet, die tatsächlichen Risiken einer Beteiligung anhand der Marktwirklichkeit einschätzen zu können. Da im zweiten Halbjahr 2008 die schwerste Schifffahrtskrise seit dem zweiten Weltkrieg ausbrach und der Prospektherausgeber sich beginnend auf Seite 25 des Verkaufsprospekts als äußerst schifffahrtserfahren beleumundet, ist in dem „Weglassen“ der enorm negativen Markt-entwicklung eine betrügerische Absicht anzunehmen. Hätte der Prospektherausgeber ehrlich, redlich und zuverlässig den jüngsten Markteinbruch aufgezeigt, hätte ein vernunftbegabter Privatinvestor für diese Beteiligungsangebot Geld in die Hand genommen.
Wir begründen unsere Einschätzung wie folgt:
Die DekaBank hat im März 2005 im Fachartikel „Die Weltwirtschaft im Fokus: Wellen, Indikatoren und Regionen“ auf Seite 10 den Baltic Dry Index wie folgt gekennzeichnet:
„Frachtratenindikator
Ein großer Teil des weltweiten Warenaustauschs findet mithilfe von Schiffen statt, sodass die Kosten für die Verschiffung einen Erklärungs-gehalt für den Welthandel und womöglich für die weltwirtschaftliche
Entwicklung insgesamt haben kann. Denn eine höhere Güternachfrage dürfte sich, im Falle eines sich kurzfristig kaum ändernden Angebots an Frachtschiffen und Verladungshäfen, in steigenden Preisen niederschlagen. Die Kosten für die Verschiffung sind je nach Route und Gütern unterschiedlich.
Der Frachtratenindikator „Baltic Dry Index“ (BDI, vormals „Baltic Freight Index“) ist ein breit gefasster gewichteter Index aus verschiedenen Schiffstypen-Indizes, die jedoch ausschließlich Schiffe für Trocken-frachten beinhalten und keine Tankerschiffe. Der Indikator, der seit 1985 an der Londoner Börse ermittelt wird, hat sich bei der Ermittlung der Kostenentwicklung der weltweiten Verschiffung bewährt. Die tägliche Ermittlung des BDI ermöglicht grundsätzlich eine zeitnahe Einschätzung der Entwicklung des Welthandels bzw. der Weltkonjunktur.“
Der BDI lag im Januar 2008 bei 6.025 Punkten und stieg bis Mai 2008 auf 11.440 Punkte, dem höchsten Stand seit Einführung des Index 1985. Ab Juni fiel der BDI rapide auf 715 Punkte im November 2008. Der BDI ist damit zum Zeitpunkt der Herausgabe des letzten Nachtrags mit -94% inflationär eingebrochen. Der Punktestand wurde zuvor erstmals im August 1986 unterschritten. Der desaströsen Entwicklung des BDI folgend, sind die Charterraten für Capesize-Massengutfrachter
am Spotmarkt bis November 2008 mit 6.700 US$/Tag auf einen historischen Tiefststand zusammengebrochen.
Im Vorjahr lagen die Charterraten bei 101.700 US$/Tag. Einjahres-Beschäftigungen fielen von 103.800 US$/Tag auf 18.000 US$/Tag (Quelle: RS Platou Oslo).
Aufgrund des Nachfragerückgangs und das damit ausgelöste Überangebot an Tonnage fielen analog zu den Charterraten ebenfalls die Schiffspreise. Der Verkauf von Neubauten (Resales) von Capesize-
Bulkern bracht von 158 Mio. US$ im November 2007 auf 60,0 Mio. US$ im November 2008 ein.
Aufgrund der tatsächlichen Marktentwicklung waren demzufolge signifikante Erlösdefizite des Charterers zu konstatieren. Hier folgt eine entsprechend drastisch gesteigerte Ausfallwahrscheinlichkeit. Weiterhin
lag der Preis der „Vogerunner“ mehr als 58% über dem aktuellen Marktniveau. Hieraus können entsprechend düstere Verkaufsaussichten geschlussfolgert werden.
Im Endergebnis wurden Investoren des MS „Vogerunner“ über den größten Markteinbruch in der Massengutschifffahrt seit dem Jahr 1986 in Unkenntnis gelassen.
(Auszug aus dem von Fondsausstieg in Auftrag gegebenen Gutachten von Fondsmedia GmbH von März 2017)